Grußwort des Oberbürgermeisters Frankfurt (Oder)
zum HanseStadtFest Bunter Hering
Liebe Frankfurter, liebe Słubicer,
liebe Besucher, liebe Freunde des HanseStadtFestes,
Der Atlantische Hering ist einer der häufigsten Fische der Welt und einer der bedeutendsten Speisefische der Menschen. An seinen Laichplätzen wird er seit Jahrtausenden gefangen, Städte wurden dort gegründet. Für die Hanse war der Hering ein wichtiges Handelsgut. Bis in das 20. Jahrhundert hinein galt er als Arme-Leute-Essen, heute gilt er als Delikatesse. Mit ungefähr diesen Worten beschreibt der Brockhaus den Hering.
Der Bunte Hering dagegen ist äußerst selten. Das hauptsächliche Aufenthaltsgebiet ist ein kleiner Teil der Oder. Und auch dort taucht er nur an wenigen Tagen im Jahr, immer um Mitte Juli herum, auf. Für die Bewohnerinnen und Bewohner von Frankfurt (Oder) und Słubice ist das immer in großes Ereignis. Sie ehren ihn dann mit einem großen Fest, dem HanseStadtFest Bunter Hering. So ungefähr müsste es heißen, wenn man den Bunten Hering erklären wollte.
Zum neunten Mal feiern wir in Frankfurt (Oder) und zum vierten Mal gemeinsam mit unseren Nachbarinnen und Nachbarn aus Słubice den Bunten Hering und sein Pendant auf der polni-schen Seite, den Swawolny Kogucik, das „Übermütige Hähnchen“. Mit dem „Hering“ im Na-men des Festes greifen wir hier in Frankfurt unsere Tradition als Handels- und Hansestadt auf, brachte doch einst der Atlantische Hering Wohlstand und Reichtum an die Oder. Nicht umsonst schwebt am Giebel des Frankfurter Rathauses an einer Angel ein goldener Hering.
Das „Bunt“ im Bunten Hering verbindet unser HanseStadtFest mit der Neuzeit. Neben gast-ronomischen Köstlichkeiten – auch vom Hering – gibt es bei unserem Fest die Stars von heute: So Chris Norman, den britischen Sänger, der in den siebziger und achtziger Jahren Sänger und Gitarrist der Pop-Band Smokie war und heute ein weltbekannter Solo-Künstler ist. Oder auch die ukrainische Band Los Colorados. Sie ist derzeit in jedem ZDF-Spot zur Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine zu sehen. Der so spanisch klingende Name der Gruppe kommt übrigens vom ukrainischen Wort für Kartoffelkäfer.
Apropos Kartoffel. In diesem Jahr steht das HanseStadtFest im Zeichen Friedrichs II. Er soll ja bekanntlich den Kartoffelanbau befohlen haben, womit er den Landstrich rechts und links der Oder prägte. Widmeten sich die Preußen anfänglich nur unwillig dem Anbau des Erdapfels, so war er später doch ein Erfolgsmodell. Die Kartoffel hat die Küche der Region beeinflusst und bereichert – ganz gleich ob in Deutschland oder Polen.
Kartoffel und Hering gehören auch zusammen: Wer kennt und liebt sie nicht, die Pellkartoffeln mit Hering, auch „Matjes nach Hausfrauenart“ genannt. Auch sie wird es auf unserem HanseStadtFest geben. Zum Start am 13. Juli auf der Stadtbrücke aber gibt es traditionell zunächst einmal 1.000 Heringsbrötchen. Dem „Bunten Hering“ 2012 wünsche ich viel Erfolg, uns allen wünsche ich viel Spaß. Lassen Sie sich den Hering schmecken, egal in welcher Form Sie ihn genießen werden.
Dr. Martin Wilke
Oberbürgermeister Frankfurt (Oder)